Braune Reservisten

6. Dezember 2011
David R. (3.v.l.) und der "Freie Widerstand Kassel": Dresden im Februar 2009

David R. (3.v.l.) und der "Freie Widerstand Kassel": Dresden im Februar 2009

In der letzten Zeit wurden mehrere Fälle aufgedeckt, wo Rechtsextremisten versucht haben, in Organisationen und Verbänden Fuß zu fassen und diese zu Unterwandern. Nach einer Feuerwehr und einem Stadtbezirksverband der CDU ist jetzt ein besonders brisanter Fall bekannt geworden: Bei der „Marschgruppe Hürtgenwald“, einer Reservistenvereinigung, marschieren zwei Aktivisten des „Freien Widerstand Kassel“ mit.

Auf dem Weihnachtsmarkt in Gertenbach (Werra-Meißner-Kreis) fiel einem Kamerateam des hessischen Runsfunks ein polizeilich bekannter Rechtsextremist auf. Er war mit anderen Reservisten  bei der Verkehrsregelung im Einsatz, allerdings – weil er nicht gedient hat – nicht in Uniform, sondern in Zivilkleidung. In der Reservistenkameradschaft war bislang offenbar niemandem die braune Gesinnung ihres Kameraden aufgefallen. Dabei ist er nicht der einzige: Nach Informationen von ihrer Homepage gab es noch einen weiteren, einen Obergefreiten der Reserve. Direkt auf den anwesenden Rechtsextremisten angesprochen reagierte der vorgesetzte Offizier umgehend: er wurde „sofort von seiner Verpflichtung entbunden“.

Zwei Rechtsextreme auf dem Weg zur Demo: v.l. David R. und Roman W. in Bad Nenndorf im August 2011

Roman W. hatte erst am 1. Oktober 2011 an einer Demonstration in Hamm unter dem Motto „Volkstod stoppen – Nationaler Sozialismus jetzt!“ teilgenommen, zusammen mit anderen Personen aus dem „Freien Widerstand Kassel“. Im September soll er Naziparolen unter anderem auf das Holocaust-Denkmal „Die Rampe“ in Kassel gesprüht haben.  Gegen beide läuft deswegen ein Ermittlungsverfahren.

David R., der Obergefreite der Reserve, ist schon seit langem in der extremen Rechten aktiv. So war er 2009 in Kassel Kandidat zur Landtagswahl für die NPD und zeitweise ihr stellvertretender Kreisvorsitzender. Seit Jahren taucht der Kasseler Unternehmer immer wieder bei rechtsextremen Aufmärschen auf. Gegen ihn soll nun bei der nächsten Landesvorstandssitzung der Reservisten ein Ausschlussverfahren eingeleitet werden.

Dokumente belegen die Teilnahme an weiteren Aktivitäten der Reservisten

Der Fall reiht sich nicht nur in die bekannt gewordenen Fälle von Unterwanderungen durch den „Freien Widerstand Kassel“. Auch in anderen Kreisen sind Neonazis in Reservistenverbänden aufgeflogen. Die Verlockung, auf diesem Wege sich militärisch, ob in taktischen Übungen oder Schießausbildung, für den „Krieg gegen das System“ zu widmen, ist scheinbar groß, die GEfahr entdeckt zu werden, eher nicht.

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