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Rechtsextremist zu Bewährungsstrafe verurteilt

15. März 2012

Kassel – Das Amtsgericht Kassel hat einen Rechtsextremisten zu einer Bewährungsstrafe von 10 Monaten und einer Geldbuße von 600 Euro verurteilt. Michael F. war zusammen mit seinem Schwager angeklagt, vor zwei Jahren einen 45-Jährigen vor einer Kneipe in Bettenhausen bis zur Bewusstlosigkeit zusammengetreten zu haben. Bis heute leidet der Geschädigte unter den Folgen der Tat und ist berufsunfähig.

Da das Opfer aber selbst keine Erinnerungen mehr an die Tat hat und weitere Zeugen nicht aussagen konnten oder wollten, war diese ihm nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Nur das der 26-jährige an der Tat irgendwie beteiligt war, war unstrittig. Sein drei Jahre jüngerer Schwager wurde freigesprochen. Die mitangeklagten anderen Vergehen waren leichter nachzuweisen: das Fahren ohne Fahrerlaubnis räumte er selbst ein, Beleidigung eines
Taxifahrers als „Scheiß-Ausländer“ galt nach der Zeugenanhörung als belegt, und von einer weiteren Schlägerei gab es ein Handy-Video, das Angeklagte bei der Tat zeigte.

Für den mehrfach Vorbestraften stand damit durchaus eine Haftstrafe zur Debatte. Grund für die Bewährung war allerdings, das er sich nach Ansicht des Richters „glaubwürdig von der rechten Szene distanziert hat“. Auch seine Bewährungshelferin war dieser Auffassung: Sie hatte im Prozeß geschildert, dass sie den Bettenhausener seit neun
Jahren betreue. „Damals habe ich einen unverbesserlichen Neonazi zugewiesen bekommen.“ Nach seiner letzten Inhaftierung sei er als geläutert entlassen worden und lasse sich die Hakenkreuz-Tätowierung, „die über den gesamten
Rücken reicht“, jetzt entfernen.

Für den Aufmerksamen Beobachter konnte sich aber auch ein anderes Bild ergeben. Ein Mann mit frisch rasierter Glatze und Blouson einer von Skinheads bevorzugten Marke hatte die Verhandlung im Zuschauerraum verfolgt. Aus seiner Hosentasche baumelte ein schwarzes Band. Die Aufschrift in Fraktur: „Klagt nicht, kämpft!“ – Wahlspruch einer Fallschirmjäger-Division der Wehrmacht und in der rechtsextremen Szene sehr beliebt. Während der Verhandlungspausen tuschelte und witzelte dieser mit den beiden Angeklagten auf dem Flur.

Auch während des Prozesses spielte er seine Aussteiger Rolle nicht immer konsequent.  Als der Richter Michael F.s Vorstrafen erörterte, zitierte er aus den Akten einen Satz des Angeklagten über einen Kneipenbesucher: „So einer wäre bei Hitler durch den Schornstein gejagt worden.“ Beim verlesen des Spruches, verschränkte der Angeklagte die Arme vor der Brust und grinste breit.

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