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Biker in Braun

8. Juni 2012

Kassel – In der Ausgabe vom 8. Juni 2012 berichtet die taz über Rechtsextremisten in Rockerclubs, wie den Hells Angels, den Bandidos oder dem Gremium MC. Aufhänger ist ein interner Vermerk, der bereits Ende Oktober 2011 von der Kriminalpolizei über die Situation der Bandidos in Kassel angefertigt wurde. In diesem Bericht ist die Rede von angeblichen Verbindungen ins Rotlichtmilieu, Kontakten nach Finnland und schließlich auch Überschneidungen mit der lokalen rechtsextremen Szene.

Einer der im Club Aktiven, so zitiert die taz das Papier, sei ein „bekannter REMO-Straftäter, der aus der Kasseler Hooligan-Szene hervorgegangen ist“. REMO steht in diesem Fall für „rechtsmotiviert“.

Beim Bundeskriminalamt seien über den Mann mehr als 90 Seiten gespeichert. So soll er schon mehrfach afrikanisch stämmige Migranten angegriffen haben. Einen Nigerianer habe er in einer Gaststätte vor einigen Jahren „Scheiß Nigger“ genannt und ihm ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Dabei ist dieses Beispiel kein Einzelfall. Immer wieder tauchen Männer aus der rechten Szene in den Reihen der Motorradrockergangs auf. So konnte der heutige NPD-Landesvize in Bayern, Sascha Roßmüller, zum prominenten Mitglied der Bandidos in der Oberpfalz werden. Im schleswig-holsteinischen Neumünster mischte wiederum Peter Borchert, der frühere NPD-Landeschef mit mehrjähriger Knasterfahrung, beim örtlichen Ableger der „Bandidos“ mit. Auch in Nordhessen gibt es weitere Beispiele. So sind weitere Rechtsextremisten auch in anderen Motoradclubs der Region aktiv und tragen dabei ihre Gesinnung teils offen zur Schau.

Die Bundesregierung geht in ihrer Bewertung allerdings davon aus, dass lediglich „einzelfallbezogene Kontakte von Rechtsextremisten zu Angehörigen von Rockerclubs feststellbar“ seien, wie das Innenministerium in einer noch unveröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion schreibt, aus der die taz zitiert. Teilweise gebe es auf lokaler Ebene auch „personelle Überschneidungen“ zwischen den Szenen. Ein „bundesweiter Trend zu Eintritten von Rechtsextremisten in Rockerclubs“ sei aber „nicht erkennbar“.

Aber, so räumt die Regierung ein, ließen die Motorradclubs in ihren Räumen auch rechtsextreme Konzerte zu. Auch im alten Clubhaus der Bandidos in Kassel sollten vor gut fünf Jahren mehrere Neonazi-Konzerte stattfinden, die aber allesamt von der Polizei verhindert wurden.

Die Motorradrocker beteuern hingegen, nichts mit Rechtsextremismus zu tun haben zu wollen. Der Mann, den die Polizei in ihren Akten als rechtsmotivierten Straftäter führt, „war mal in der rechten Szene, hat sich jetzt aber von ihr gelöst“, wird der Anführer der Bandidos in Kassel von der taz zitiert. Dieses Statement hört man allerdings in vergleichbaren Fällen regelmäßig, meist mit geringem Wahrheitsgehalt.

Der Originalartikel aus der taz ist hier verfügbar:

Die Biker in Braun

Bei Rockergangs wie den Bandidos und den Hells Angels mischen immer wieder auch Rechtsextreme mit. Das sei kein bundesweiter Trend, beschwichtigt die Bundesregierung. (Link zum weiterlesen)

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