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Rechte Security gegen Amazon-Leiharbeiter

18. Februar 2013

Bad Hersfeld – Der Fernsehbeitrag „Ausgeliefert – Leiharbeiter bei Amazon“, der am 13. Februar in der ARD ausgestrahlt wurde schlägt hohe Wellen. In dem Film werden Methoden dokumentiert, mit denen Aushilfskräfte vor allem im Weihnachtsgeschäft in den Logistikzentren des amerikanischen Internethändlers behandelt werden. Dabei spielt eine Kasseler Firma eine zentrale Rolle: Von den Mitarbeitern des privaten Security-Unternehmens H.E.S.S.-Security scheint es Verbindungen in die rechtsextreme Szene zu geben.

In dem Beitrag wird der Weg einer arbeitslosen spanischen Kunstlehrerin nachgezeichnet, die nach Bad Hersfeld gekommen war, um für einen kurzen Zeitraum bei Amazon in Deutschland zu arbeiten. Im Fokus steht neben der Zeitarbeitsfirma und dem Betreiber der Unterkunft, der Seepark in Kirchheim, in erster Linie der rechtsextreme Hintergrund der Kasseler Securityleute. Neben den menschenunwürdige Unterbringung und herabwürdigenden Behandlung wird berichtet, dass besagtes Sicherheitsunternehmen die Amazon-Leiharbeiter mit Kontrollen „rund um die Uhr“ „schikaniere“. Bei den Dreharbeiten war dem Team des Hessischen Rundfunks aufgefallen, dass das Sicherheitspersonal neben kurzhaarschnitten und martialischen Outfit auch Kleidung der bei rechtsextremen beliebten Modemarke Thor Steinar getragen hatte.

Die Security war scheinbar auch nicht zimperlich, als sie das Journalistenteam entdeckten. Es wird berichtet, das sie von den „Sicherheits“leuten festgehalten und ihr Auto zugeparkt wurde, um sie am Wegfahren zu hindern. Den Ferienpark konnten erst unter Polizeischutz verlassen.

Laut Bericht wurde von H.E.S.S. auf Kleidung zum Verkauf angeboten. Dabei handelte es sich um solche der Marke Commando Industries die nach hr-Angaben bereits 2006 vom hessischen Innenministerium als rechtsextrem eingestuft wurde. Mehrere Mitarbeiter des Unternehmens sind darüber hinaus der Hooligan Szene zuzurechnen oder haben einen auffällig rechtslastigen Freundeskreis. Ein Mitglied der Geschäftsführung taucht gar in einer „Reisegruppe“ von Kasseler Hooligans auf, „darunter verurteilte Rechtsextreme und Neonazis“.

Nachdem auch H.E.S.S. bislang auf die Fragen der Journalisten  geschwiegen hat, hat man am 15. Februar, wohl auf Grund des öffentlichen Drucks, eine Pressemitteilung herausgegeben:

„Soweit in der aktuellen Berichterstattung über unsere Tätigkeit im Seeparkhotel in Kirchheim darüber berichtet wurde, dass zwei unserer Mitarbeiter mit Jacken der Marke Thor Steinar gesehen worden seien, haben wir aufgrund nachträglicher Recherche zu dieser Marke per Dienstanweisung das Tragen derartiger Bekleidung untersagt. Wir werden die betreffenden Mitarbeiter hinsichtlich einer etwaigen rechtsradikalen Gesinnung überprüfen…“

Eine erstaunliche Unkenntnis für ein Unternehmen, das auch bewaffnetes Personal in seinem Leistungsspektrum hat und Schießtrainings anbietet. Ist doch diese Marke unter anderem in Bundestag und zahlreichen Fußballstadien verboten und wird selbst von Amazon nicht mehr verkauft…

Amazon selbst hat sich inzwischen, nach eigenen Angaben, von dem Sicherheitsunternehmen getrennt. „Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird“, sagte eine Sprecherin am Montag in München. Amazon habe „eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung – und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten“.

Link zur Reportage „Ausgeliefert – Leiharbeiter bei Amazon“:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/ausgeliefert-leiharbeiter-bei-amazon?documentId=13402260

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