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Kasseler Neonazi will Gefangenenhilfe gründen

19. Februar 2013

Hünfeld – Zuletzt war er im Jahr 2011 zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er eine Frau bedroht und beleidigt hatte, deren minderjährige Tochter unter seinen Einfluss geraten war. Dazu muss er eine weitere Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren absitzen, er hatte einen Gastwirt massiv unter Druck gesetzt, weil der sich geweigert hatte, die „Sturm 18“-Kameraden in seiner Kneipe Dart spielen zu lassen. Nun fühlt sich der Kasseler Neonazi Bernd Tödter von den Gefangenenhilfsorganisationen seiner „Kameraden“ nicht mehr vertreten, will eine eigene gründen.

Die Ankündigung klingt wie bei ihm üblich: eine Mischung aus Neonazipropaganda und Größenwahn. Eine Bundesweite Organisation soll es sein, die bereits Vertretungen in diversen Haftanstalten hätte. So beschreibt er seine neue Organisation, die bald ein gemeinnütziger Verein werden soll. Sieht er sich auch selbst gern als Anführer mit bundesweiter Bedeutung ist sein realer Ruf jedoch eher schlecht: Seine bisherigen Organisationen, wie der „Sturm 18“ aus Kassel gelten in der Szene eher als Ansammlung von versoffenen und äußerst gewalttätigen Stiefelnazis, alles andere als ein Aushängeschild für manchen um ein seriöses Äußeres bemühten Kameraden.

Das „Neue Deutschland“ berichtet darüber in der Ausgabe vom 18. Februar 2013. Der Artikel wird im Folgenden dokumentiert:

Briefe aus dem Knast

Nazi nutzt Haftzeiten zur Rekrutierung

Nichts gegen Briefwechsel von Häftlingen. Schon wegen der sogenannten Wiedereingliederung. Stutzig wird man jedoch, wenn man liest: »Wir sind eine wilde Horde aus verschiedensten Clubs aus dem gesamtdeutschen Raum (mittlerweile auch darüber hinaus), die EINES gemeinsam haben – z. Zt. der staatlichen Willkür ausgesetzt, da ALLE (noch) in Haft sitzen.« Man habe »die Schnauze voll« von Gefangenenhilfsorganisationen und daher am 20. April 2012 in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld ein eigenes Projekt gegründet.

Schon das Gründungsdatum, Geburtsdatum von Adolf Hitler, freut den gemeinen Nazi. Die Geburt neuer Kameradschaften – welch Geburtstagsgeschenk. Man habe, so heißt es, bereits Ansprechpartner in den JVA Kassel, Fulda, Frankfurt, Leipzig, Dresden, Borna, Hamburg … Ein knappes Dutzend Haftanstalten folgen. Man strebe die Rechtsform eines eingetragenen und gemeinnützigen Vereins an. Gezielt zum Mittun eingeladen werden Rocker in sogenannten Motorradklubs.

Verfasst hat diesen »Gefangenenbrief« ein Mann namens Bernd Tödter. Fast ist sein Name Programm. Der Mann hat bereits 1993 gemeinsam mit einem Gesinnungsgenossen einen Obdachlosen zu Tode geprügelt. Im Knast wurde er von der inzwischen verbotenen rechtsextremistischen HNG (»Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene«) betreut. Nach seiner Haftentlassung 1996 sammelte Tödter Gleichgesinnte für seinen »Freundeskreis nationaler Aktivisten/Kameradschaft Nordmark«. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei ein Waffenarsenal. Tödter gründete auch die Kameradschaft »Sturm 18«. Die 18 steht szenetypisch für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet: A (Adolf) und H (Hitler). Die Bande trat im Jahr 2000 in Erscheinung. 2002 fand die Polizei bei Tödter erneut eine schussbereite Pistole. Im Jahr darauf gründete der Neonazi im hessischen Diemelstadt-Wethen die Wohngemeinschaft HSV-Pitbulls-SV Wethen.

Immer wieder musste Tödter in den Knast einrücken, da half ihm auch kein Revisionsantrag vor dem Bundesgerichtshof. Doch selbst inhaftiert, sammelt der Mann seine Horden. Ungehindert von der Justiz.

Quelle:  Neues Deutschland vom 18.02.2013

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