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Rechtsextremisten instrumentalisieren Kindesmissbrauch

15. Juli 2013
Spiel mit den Ängsten der Anwohner: Rechtsextremisten versuchen das Thema sexueller Missbrauch für sich auszunutzen

Spiel mit den Ängsten der Anwohner: Rechtsextremisten versuchen das Thema sexueller Missbrauch für sich auszunutzen

Oberaula – Die Nachricht, dass ein verurteilter Sexualstraftäter in einem Oberaulaer Ortsteil wohnt, sorgt seit Tagen für Unruhe im Ort. Inzwischen sollen die Anwohner in einer Informationsveranstaltung von Polizei und Gemeinde darüber aufgeklärt werden, welche möglichen Gefahren von dem Mann ausgehen, der insgesamt über 20 Jahre eingesperrt war, weil er in den Jahren 1990 und 1991 wegen zweifacher sexueller Nötigung in vier Fällen verurteilt worden ist. Wie aber leider auch zu erwarten war, hat die regionale rechtsextreme Szene das Thema inzwischen dankbar aufgenommen und schürt Ängste in der Bevölkerung. Ein eigenes facebook-Portal „Keine Pädophilen in Oberaula“ ist inzwischen entstanden, die Vorbereitungen das Thema propagandistisch für sich auszunutzen laufen.

Die Strategie ist nicht neu und gerade in anbrechenden Wahlkampfzeiten bei der extremen Rechten beliebt. Beim Thema Kindesmissbrauch hofft man, durch die emotionale Aufgeladenheit des Themas Kreise außerhalb des eigenen Sumpfes zu erreichen. Deswegen zeigt man Präsenz und versucht sich an die Spitze von möglichen Protesten zu setzen. Der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung erläutert auf seiner Internetseite diese Strategie zusammenfassend:

„Rechtsextreme instrumentalisieren das hochemotionale Thema des sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie benutzen es als Teil ihrer Normalisierungsstrategie und versuchen so Anschluss in der Mitte der Gesellschaft zu finden. Sie treten als „Kümmerer / Macher“ auf und wollen sich mit drastischen bildlichen Darstellungen und Forderungen wie „Todesstrafe für Kindesschänder“ als vermeintlich tatkräftige politische Alternative präsentieren. Sie bedienen sich dabei des Voyeurismus, schüren Ängste, legen den Fokus auf die Bestrafung von Tätern und Täterinnen und polemisieren gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Sie greifen strategisch auch auf Materialien und Symbole von seriösen, rechtsstaatlichen Organisationen und Vereinen zu oder verlinken auf deren Internetpräsenz, um die eigene Seriösität zu unterstreichen. Vereine, Organisationen und Initiativen, die sich mit Aufklärung, Prävention oder Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch beschäftigen, werden dabei gezielt von Rechtsextremen instrumentalisiert. Auf diese Weise wird im öffentlichen Raum aber auch online, z.B. in sozialen Netzwerken wie Facebook, versucht, schnelle Zustimmung von vielen Personen zu erhalten, insbesondere auch von solchen, die sich nicht als rechtsextrem verstehen bzw. die Seiten nicht auf den ersten Blick als Seiten von Rechtsextremen identifizieren können.

Rechtsextremen geht es nicht um die Unterstützung von Betroffenen bei der Bewältigung des Erlebten oder die Prävention von sexuellem Missbrauch. Vielmehr geht es ihnen um Verherrlichung von Gewalt, Aufmerksamkeit, Wählerstimmen und neue Mitglieder. Die Forderung nach „Todesstrafe für Kinderschänder“ suggeriert, dass das komplexe Thema der sexualisierten Gewalt durch schnelles und direktes Handeln – nämlich die Rache an den Tätern durch drastische Strafen – zu lösen sei. Dabei werden rechtstaatliche und menschenrechtliche Grundsätze missachtet.“ (Link zum vollständigen Artikel)

Weitere Informationen zum Thema Rechtsextreme und Kindesmissbrauch sind hier zu finden:

Shukura – Fachstelle zur prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen
Zum Download gibt es hier die Broschüre: „Was sie über sexuellen Missbrauch wissen sollten“

Analyse des „Netz gegen Nazis“

Artikel des unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung

Hintergrundartikel in der HNA

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