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Manfred Roeder fliegt besoffen aus Schweizer Hotel

16. Juli 2013
Manfred Roeder, hier nüchtern (Quelle: Wikipedia)

Manfred Roeder, hier nüchtern (Quelle: Wikipedia)

Luzern/Schwarzenborn – Lange galt Manfred Roeder als eine der zentralen Figuren der extremen Rechten in der Bundesrepublik. Wegen Rädelsführerschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt, saß er mehrere Jahre in Haft. Regelmäßig fanden auf seinem sogenannten „Reichshof“ im Knüll Szene-Treffen statt. Doch inzwischen war es ein wenig ruhiger geworden um den – mittlerweile in die Jahre gekommenen – Neonazi. Jetzt machte er wieder Schlagzeilen, wie das Portal „Endstation-Rechts“ berichtet:

Gäste angepöbelt: Angetrunkener Neonazi-Terrorist Manfred Roeder fliegt aus Hotel

vonMarc Brandstetter

In den siebziger Jahren kämpfte der spätere mehrfach vorbestrafte Rechtsterrorist Manfred Roeder gegen den Sittenverfall, dem SPIEGEL galt er als „Anti-Porno-Apostel“. Einem Medienbericht zufolge flog der einstige NPD-Bundestagskandidat vor wenigen Tagen wegen eines Vorfalls, der so gar nicht zu diesem Image passen möchte, aus einem Schweizer Luxushotel – er hatte angetrunken Gäste angepöbelt.

Zwei Menschen hat Manfred Roeder auf dem Gewissen. 1982 verurteilte das Stuttgarter Oberlandesgericht den heute 84-Jährigen wegen Rädelsführerschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 13 Jahren Freiheitsstrafe. Die von ihm gegründeten „Deutschen Aktionsgruppen“ verübten zu Beginn der achtziger Jahre mehrere Brand- und Sprengstoffanschläge auf eine Schule, die den Namen des berühmten jüdischen Pädagogen Janusz Korczak trug, ein Landratsamt oder einige Flüchtlingswohnheime. 1980 töteten zwei seiner Gefolgsleute, Sibylle Vorderbrügge – gleichzeitig Roeders Geliebte – und Raimund Hörnle, die beiden jungen Asylbewerber Ngoc Nguyên und Anh Lân Dô bei einem Brandanschlag. Die Neonazis hatten Molotowcocktails in ein Asylbewerberwohnheim in Hamburg-Billbrock geworfen. Roeder bestritt stets eine Beteiligung, nannte Asylbewerber laut dem SPIEGEL aber gerne „Halbaffen“.

Der traurige „Höhepunkt“ einer braunen Karriere, die bereits vor den Anschlägen reichlich Stoff für die Ermittlungsbehörden bereit hielt. Doch zuvor engagierte sich das einstige CDU-Mitglied gegen den „Sittenverfall“. Die Staatsanwaltschaft wurde auf den zeitweiligen Anwalt des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess aufmerksam, da er Kinoplakate mit Ölfarbe beschmiert hatte, um gegen Sex-Fotos zu protestieren. Später dann – mittlerweile tief in der braunen Szene angekommen –, habe Roeder eine Todesliste verschickt, auf der u. a. die Namen von Beate Klarsfeld, Willy Brandt oder Franz-Josef Strauß standen, berichtet der Journalist Olaf Sundermeyer in seinem Buch „Rechter Terror in Deutschland“. Außerdem soll er nach Informationen des SPIEGELS den früheren SS-Mann Thies Christophersen, der während des Zweiten Weltkriegs Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz war, ermutigt haben, ein Pamphlet zu verfassen, das bis heute Kultstatus in der Szene genießt: „Die Auschwitz-Lüge“, zu der Roeder das Vorwort beisteuerte. Sein „Lohn“: sieben Monate auf Bewährung.

1998 kandidierte der Jurist, der bereits als 16-Jähriger in die Wehrmacht eingetreten war, auf dem Ticket der NPD in Stralsund für den Bundestag. Verkündet wurde dieser „Coup“ seinerzeit vom damaligen NPD-Kreisvize Axel Möller, so der Blog „publikative“. Möller, „Macher“ des Neonazi-Hetzportals „Altermedia“, verbüßt gerade eine mehrjährige Haftstrafe, u. a. wegen Volksverhetzung. Zwei Jahre zuvor stand Roeder in Erfurt vor Gericht. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der umtriebige Neonazi, den im Gerichtsaal die späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard unterstützten, an einen Farbanschlag auf die „Wehrmachtsausstellung“ beteiligt war. Für einen Skandal sorgte der Neonazi 1995, als er auf Einladung vor der Führungsakademie der Bundeswehr gesprochen hatte.

Schlagzeilen ganz anderer Art machte der braune Terrorist nun in der Schweiz. Angetrunken soll der notorische Holocaust-Leugner gemeinsam mit einem Begleiter die Gäste des Luzerner Luxushotels „Montana“ angepöbelt haben, berichtet der „Blick“. Ein Paar habe sich so sehr belästigt gefühlt, dass es sogar den Tisch auf der Terrasse gewechselt habe, erzählte ein der Redaktion namentlich bekannter Zeuge dem Blatt.

Roeder und sein Gesprächspartner sollen so sehr über die Stränge geschlagen haben, dass sich das Traditionshaus genötigt sah, die Nörgler vor die Tür zu setzen. Hotel-Direktor Fritz Erni bestätigte den Rauswurf „zweier Männer“. Die Gründe für den Aufenthalt des deutsche Neonazis in der Schweiz seien noch unbekannt, so der „Blick“.

In Deutschland hatte sich der ehemalige NPD-Chef Udo Voigt gegen ein Hausverbot eines Hotels juristisch gewehrt, war jedoch vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Die politische Überzeugung von Voigt sei mit dem Bestreben, allen Gästen ein „Wohlfühlerlebnis“ zu vermitteln, nicht vereinbar, argumentierte der Hotelier seinerzeit.

Quelle: Endstation-Rechts

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