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Kundgebungen in Bad Hersfeld und Kassel

14. September 2013
In Bad Hersfeld – wie fast überall – unbeliebt: Der Werbelaster der NPD

In Bad Hersfeld – wie fast überall – unbeliebt: Der Werbelaster der NPD

Bad Hersfeld, Kassel – Im Rahmen ihrer sogenannten „Deutschlandtour“, in der vor der Wahl bundesweit möglichst viele Orte angefahren und kurze Kundgebungen abgehalten werden sollten, erreichte der Tross Mitte September Nordhessen. Ein knappes Dutzend Rechtsextreme und ein alter Laster, voller Pathos „Flaggschiff“ genannt machten am 14. September in Bad Hersfeld und am 16. September in Kassel halt. In Empfang genommen wurden sie jeweils von einer vielfachen Überzahl von Gegendemonstranten.

Wir dokumentieren im Folgenden die Artikel in der Lokalpresse zu den Kundgebungen.

Kundgebung der NPD geht im Lärm von rund 250 friedlichen Demonstranten unter

„Macht euch heim!“

Bad Hersfeld. „Macht euch heim!“ Als die Rechten etwas später als erwartet gegen 13.30 Uhr „endlich“ eintreffen wird es laut auf dem Vorplatz des Bad Hersfelder Bahnhofs. „Die sind auf der Autobahn links abgebogen“, hatten ob der Verspätung einige schon gespottet.

Mit Pfiffen und Nazis-raus-Rufen haben rund 250 Bürger am Samstag friedlich gegen die NPD-Kundgebung am Bad Hersfelder Bahnhof und für Toleranz demonstriert. Jung und Alt, Mann und Frau, links oder konservativ, über alle (Partei-)Grenzen hinweg wollten sie gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen: Rechtes Gedankengut ist in der Kur- und Festspielstadt unerwünscht. „Scheiß Nazipack“ und „Leider ungeil“ ist auf den Plakaten zu lesen.

„Mütter schämen sich“

Eine Frau zeigt den NPDlern wütend ihr Hinterteil und brüllt: „Eure Mütter schämen sich für euch“.

Zahlreiche Polizisten haben beide Seiten die ganze Zeit über aufmerksam im Blick.

Für Diskussionen hatten in den vergangenen Wochen bereits die Wahlplakate der NPD mit dem Slogan „Geld für Oma statt Sinti und Roma“ gesorgt, die Bürgermeister Thomas Fehling hatte abhängen lassen und die nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Kassel schließlich wieder aufgehängt werden sollten.

„Das ist allerschlimmste Diskriminierung“, sagt Sahin Cenik, Vorsitzender des Bad Hersfelder Ausländerbeirats, der kurzfristig auch noch Menschen für die Gegendemonstration mobilisiert hat. „Es ist schön, dass so viele Bürger sich gemeinsam gegen Diskriminierung und Rassismus aussprechen“, freute er sich.

Auch viele Sinti, von denen etwa 500 in Bad Hersfeld leben, hatten sich auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Mit dabei hatten sie ihre ganz eigenen Plakate: „Meine Oma mag auch Sinti und Roma“ war darauf zu lesen. „Allein kann man nichts erreichen“, erklärte Enrico Munk, in Bad Hersfeld geborener Sinti. Wobei er gerne noch mehr Sinti und Roma auf dem Bahnhofsvorplatz gesehen hätte.

Die Demonstranten trotzten auch dem Regen, der zwischenzeitlich ziemlich heftig prasselte. „Antifaschismus hat es noch nie leicht gehabt“, meinte Hansjörg Hirschfelder als Unterstützer des Ausländerbeirats mit dem Blick gen Himmel. „Wir wollen den braunen Spuk vertreiben“, so Hirschfelder. „So etwas dürfen wir nie mehr zulassen, weder hier in Bad Hersfeld noch woanders.“

War die laute Rockmusik mit rechten Texten auch nicht zu übertönen, zumindest von der Kundgebung, bei der auch Parteichef Holger Apfel sprach, war wegen des Lärms, den die Gegendemonstranten machten, so gut wie nichts zu verstehen.

Mit der Resonanz auf die Gegendemo war auch die Landtagskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Kaya Kinkel, zufrieden, die die Demo in Absprache mit ihren Politkollegen angemeldet hatte. „Toll, dass so viele dabei sind!“

Noch vor 15 Uhr traten die etwa 15 zumeist in Schwarz gekleideten NPD-Anhänger schließlich den Rückzug an und für viele Bürger war klar: hoffentlich kommen sie so schnell nicht wieder. (nm)

(Hersfelder Zeitung vom 16. September 2013)

Fünf Festnahmen bei Kundgebung der NPD

500 Gegendemonstranten übertönten rechtsextreme Parolen

KASSEL. Mit einer lautstarken Gegendemonstration haben 500 Kasseler gestern auf dem Königsplatz eine Kundgebung der NPD übertönt und ein Zeichen dafür gesetzt, dass in Kassel kein Platz für Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit sein soll. Trotz aufgeheizter Stimmung blieb die Lage weitgehend friedlich. Nach Rangeleien am Rande des Geschehens nahm die Polizei fünf Demonstranten fest, unter anderem wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und Widerstandes gegen Polizisten.

Die Parolen der zehn NPD-Vertreter, die mit einem Lkw und zwei Kleinbussen angerückt waren, gingen im ohrenbetäubenden Lärm von Trillerpfeifen, Sirenen, Vuvuzelas und Sprechchören unter. Eine gute Hundertschaft Polizisten sicherte den abgesperrten Kundgebungsbereich bei der Einmündung der Kölnischen Straße. Als sich von dort um 11.30 Uhr – eineinhalb Stunden später als angekündigt – der NPDKonvoi näherte, warfen sich etwa 15 Angehörige der Antifaschisten-Szene als Blockierer auf die Fahrbahn. Sie wurden von Polizeikräften weggetragen, Auf den Lkw selbst gingen Demonstranten mit Schlägen, Tritten und Eierwürfen los.

Mit Rufen wie „Haut ab“ und „Nazis raus“ quittierte die Menge auf dem Königsplatz die Versuche der NPD-Führungsfigur Udo Pastörs, gegen die Lärmkulisse anzuschreien und seine Weltsicht von „fremdländischen Sozialschmarotzern“ und „kaviarschlürfenden Grünen“ zu verbreiten. „Das, was Sie hier abziehen, ist Faschismus“, rief Pastörs den Demonstranten entgegen, unter denen sich viele Kasseler mit ausländischen Wurzeln sowie führende Stadtpolitiker wie Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Bürgermeister Jürgen Kaiser befanden. „Wir wollen lautstark deutlich machen, dass für Rechte kein Platz in dieser Stadt ist“, sagte Kaiser.

Um dies zu unterstreichen, hatte ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Verbänden und Religionsgemeinschaften zu der Gegendemonstration aufgerufen.

(von Axel Schwarz, HNA vom 17.09.2013)

Sitzblockade gegen rechts

Demonstranten gehen nicht nur verbal gegen NPD-Auftritt auf dem Königsplatz vor

KASSEL. „Nazis raus, Nazis raus.“ Immer wieder schallt die Parole über den Königsplatz. Schon um 9 Uhr hatten sich die ersten Protestler versammelt, um gegen die Kundgebung der NPD zu demonstrieren. Eine Stunde später, um zehn Uhr, sind es schon 500. Sie stehen vor dem Absperrzaun, der zwischen dem Modehaus Peek + Cloppenburg und dem Gebäude der Kasseler Bank aufgestellt war.

„Nazis raus aus den Köpfen“ und „NPD – Verbot jetzt“ ist auf den Schildern und Plakaten der Demonstranten zu lesen. Auf einer Pappe hält eine Frau den Spruch „Die Toleranz endet, wo euer Menschenhass beginnt“ nach oben. „Wir haben euch was mitgebracht – Bass, Bass, Bass“, tönt es aus den Lautsprechern.

Sitzblockade gegen NPD

Fahnen der SPD, Linken und Grünen werden geschwungen. Auch die Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbunds ist unter den Demonstranten. Rechtsextreme Zuhörer sind in der Menge nicht erkennbar.

Noch vor Ankunft der NPD hatte ein einzelner junger Mann den Königsplatz mit einem selbst gebastelten Schild mit der Aufschrift „Ausländer raus“ überquert. Er folgte da- bei drei Frauen, die Kopftücher trugen.

Nachdem die Demonstranten mehrere Stunden im Regen ausgeharrt hatten, nähern sich die Fahrzeuge der NPD mit erheblicher Verspätung dem Königsplatz. Unruhe entsteht, als sich einige Demonstranten vor die Autos werfen und eingehakt davor sitzen bleiben. Polizisten stürmen zu den Demonstranten, die sich widerstrebend wegtragen lassen. Die Demonstranten wehren sich mit Tritten. Auch gegen die Fahrzeuge der NPD wird randaliert.

Am Rande des Geschehens entsteht eine hitzige Diskussion, bei der zwei ältere Männer von einigen Demonstranten in die Ecke gedrängt und mit „Ihr Nazis“ angeschrien werden. Polizisten greifen ein und geleiten die Beschimpften hinter den Absperrzaun.

„Wir dürfen es nicht zulassen, dass wir unserer Heimat beraubt werden“, dringt die Aussage eines Sprechers der NPD durch die Lärm mauer. Die Demonstrantengruppe zeigt ihren Unmut über den Auftritt der NPD mit vielen erhobenen Mittelfingern.

Joghurtbecher fliegen

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD, Udo Pastörs, verabschiedet sich nach seinem Auftritt mit den Worten „Vielen Dank für die geschätzte Aufmerksamkeit“. Kurz zuvor hat ihn ein Joghurtbecher aus der aufgewühlten Menge getroffen. Gegen 12.30 Uhr verlassen die Fahrzeuge der rechtsextremen Partei den Königsplatz. Die Demonstranten begleiten die Abfahrt der NPD-Fahrzeuge mit Jubelgeschrei und Applaus. Ein Böller explodiert, als der NPD-Tross die Kölnische Straße auf Höhe der Spohrstraße passiert, dann löst sich die Demonstrantengruppe langsam auf.

(von Miriam Linke, HNA vom 17.09.2013)

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