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Braunes Grimm-Gedenken

28. September 2013
Ursula Haverbecks Mächenstunde

Ursula Haverbecks Mächenstunde

Spiekershausen – In einer Gaststätte nördlich von Kassel treffen sich rund 50 Köpfe aus der bundesweiten rechtsextremen Szene. Obwohl die Veranstaltung im Internet öffentlich angekündigt wurde, greift die Polizei nicht ein. Auch der Betreiber des italienischen Restaurants hat kein Problem mit seinen Gästen.

Rechtsextreme haben sich in Spiekershausen konspirativ zu einer „Gedenkveranstaltung“ getroffen. Anlässlich Jacob Grimms 150. Todestages kamen am Samstag rund 50 Personen in einem Gasthof zusammen. Laut Einladung, die auf mehreren Neonazi-Websites veröffentlicht worden war, wollten die Rechten an den „Begründer der Deutschen Mythologie und Germanisch-Deutschen Sprachwissenschaft“ erinnern.

Aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt reisten die Besucher an. „Verschiedene Freundesgruppen“ wirkten laut der Einladung an dem Event mit. Wer sich tatsächlich hinter der braunen Feier verbarg, wurde vor Ort deutlich: Als Verantwortlicher trat Markus Walter aus dem niedersächsischen Verden auf. Der 22 Jahre alte Walter sitzt im dortigen Stadtrat sowie Kreistag und ist Vorsitzender eines Kreisverbandes der Neonazi-Partei „Die Rechte“ in NRW.

Als Kontaktadresse auf dem Einladungsschreiben war auch die Postfach-Adresse eben jenes Kreisverbands angegeben. Zudem nahm Annelore Günther aus Dresden Anmeldungen entgegen, Beisitzerin im Vorstand der örtlichen Regionalgruppe des „Vereins Deutsche Sprache“, der mit Parolen wie „Wir wollen klares Deutsch, kein Denglisch“ wirbt.

Nachdem ein Journalist von Neonazis massiv bedrängt wurde, rückte die Polizei mit zahlreichen Streifenwagen bei der italienischen Gaststätte an. Doch der Betreiber des Restaurants „Fuldagarten“ hatte keine Probleme mit seiner Kundschaft. Und so gesellten sich in seinen Räumen Rentner zu jungen Neonazis in Szenekleidung.

Die zuständige Polizei aus Göttingen – Spiekershausen liegt an der Grenze zwischen Hessen und Niedersachsen – bemühte sich offenbar nicht, das rechte Treiben zu beenden. Nach Aussage des Wirts hätten ihm Beamte mitgeteilt, es handle sich nicht um eine rechtsextreme Veranstaltung. Die Polizei widerspricht dieser Darstellung. Man habe dies „unmissverständlich“ klargestellt, dass es „rechtsorientierte Personen“ waren.

Und tatsächlich waren mehr als ein Dutzend Vertreter aus dem militanten Neonazi-Spektrum vor Ort. Besonders pikant: Als Referentin reiste die mehrfach verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel an. Die 84-Jährige war Vorsitzende des inzwischen durch das Bundesinnenministerium verbotenen „Collegium Humanum“. Wegen antisemitischer Hetze und NS-Verherrlichung löste die Behörde den Verein als „Sammelbecken organisierter Holocaustleugner“ auf.

von Julian Feldmann und Carsten Meyer

Veröffentlicht auf fr-online: http://www.fr-online.de/rhein-main/neonazis-braunes-grimm-gedenken,1472796,24486410.html

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