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Prozess gegen Noch-Ehefrau von „Sturm 18“-Chef

28. März 2014

Kassel (HNA) – Es sah aus, als wolle sich die Angeklagte in ihrem Pullover verkriechen. Klein machte sich die 25-Jährige im Amtsgerichtssaal. Und kleinlaut waren oft ihre Antworten. Vor gut drei Jahren hingegen soll die Kasselerin kräftig ausgeteilt haben. Damals war sie mit der rechtsextremen Kameradschaft „Sturm 18“ unterwegs, die ihr Ehemann Bernd T. gegründet hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 25-Jährigen drei Attacken im Sommer 2011 vor: Im Juni soll sie alkoholisiert in der Neuen Fahrt einen betrunkenen Bekannten zu Fall gebracht und geschlagen und getreten haben. Im September 2011 soll sie auf dem Friedrichsplatz ein damals 15-jähriges Mädchen von einer Bank geschlagen, getreten und über Steinboden geschleift haben – wobei sie nach eigenen Angaben Stiefel mit Stahlkappen trug und an der Schlaghand dicke Ringe in Form eines Wolfs, eines Adlers und eines Eisernen Kreuzes.

Einen Tag später soll sie dann einen Passanten vom Rad geholt, mehrfach mit Fäusten ins Gesicht geschlagen und ihn auch ins Gesicht getreten haben. Den Radfahrer habe ihr „Ex“ als Ziel ausgesucht, beschrieb die Angeklagte dem Gericht. „Er hat gesagt, der hätte ,Sturm 18‘ beleidigt.“ Sie habe zuschlagen sollen – um wieder zur Kameradschaft dazuzugehören. Widersetzen war offenbar keine Option.

Im August 2012 hatte das Amtsgericht schon einmal über diese Anklagepunkte verhandelt – dann aber den Prozess abgebrochen und ein Gutachten in Auftrag gegeben: Geprüft werden sollte, inwiefern die junge Frau durch Alkohol, Angst und Abhängigkeit von ihrem Noch-Ehemann vermindert schuldfähig gewesen sein könnte. Gestern nun brach das Amtsgericht auch den neuen Prozess ab – um die junge Frau noch umfassender begutachten zu lassen. Diesmal soll geprüft werden, ob eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt infrage kommt. Je nach Ergebnis könnte dann im dritten Anlauf das Landgericht für den Fall zuständig sein.

Mit dem Prozess verbunden wurde inzwischen noch eine neue Anklage: wegen Widerstands gegen Polizeibeamte im Januar 2014. Nichts davon wisse sie mehr, sagte die Angeklagte gestern. Sie erinnere sich nur noch, wie sie in jener Nacht, schon betrunken, mit ihrem neuen Partner bei einer Bekannten angekommen und dort unerwartet auf ihren – kurz vorher aus der Haft entlassenen – „Ex“ und andere aus der alten Szene getroffen sei. „Es hieß, ich wäre umgekippt“, sagte sie zum weiteren Verlauf.

2012 hatte die Angeklagte berichtet, sich vom Alkohol, vom „Sturm 18“ und von Bernd T. losgesagt zu haben. Nach Angaben ihres Verteidigers steht in Kürze der Scheidungstermin an.

(Quelle: HNA vom 29.03.2014)

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Kategorien:Kassel, Sturm 18
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